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Autofahren mit Diabetes

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Das neue Fahrererlaubnisrecht - die Fahrerlaubnisverordnung

Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr (Fahrerlaubnis-Verordnung, FeV) vom 18. August 1998 (BGBl. I S. 2214) in der Fassung des Inkrafttretens vom 19.01.2009. Letzte Änderung durch: Dritte Verordnung zur Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung vom 07. Januar 2009 (Bundesgesetzblatt Jahrgang 2009 Teil I Nr. 2 S. 29, ausgegeben zu Bonn am 15. Januar 2009).

  • Ist eine Neuregelung zur gesundheitlichen Fahreignungsbeurteilung von Kraftfahrern anhand von Begutachtungsleitlinien
  • Ziel ist die verlässliche Festlegung von Fahrtauglichkeit zur Hebung der allgemeinen Verkehrssicherheit
  • Auftraggeber der Fahrerlaubnisbeurteilung ist der Bewerber um eine Erteilung, bzw. Verlängerung der Fahrerlaubnis. Die Kosten sind privat zu tragen.

Insbesondere wichtig hierbei sind bei Vorliegen eines Diabetes mellitus der § 11 Eignung sowie § 48 Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung; Sonderbestimmung für das Führen von Taxen, Mietwagen, Krankenwagen und Personenkraftwagen im Linienverkehr.

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Fahrerlaubnisklassen in Deutschland

  • Klasse A - Krafträder > 50 ccm und > 45 km/h Höchstgeschwindigkeit
  • Klasse A1 - Krafträder bis 125 ccm, bis 11 kW, für 16- und 17-jährige 80 km/h, bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit
  • Klasse B - Kraftfahrzeuge außer Krafträder mit einer zulässigen Gesamtmasse von nicht mehr als 3.500 kg
  • Klasse C - Kraftfahrzeuge außer Krafträder von insgesamt mehr als 3.500 kg, mit nicht mehr als acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz, auch mit Hänger nicht über 750 kg
  • Klasse C1 - Kraftfahrzeuge (außer Krafträder) von insgesamt mehr als 3.500 kg, aber insgesamt nicht mehr als 7.500 kg, mit nicht mehr als acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz, auch mit Hänger nicht über 750 kg
  • Klasse D - Kraftfahrzeuge (außer Krafträder) zur Personenbeförderung, mit mehr als acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz, auch mit Hänger nicht über 7.500 kg
  • Klasse D1 - Kraftfahrzeuge (außer Krafträder) zur Personenbeförderung mit mehr als acht Sitzplätzen und nicht mehr als 16 Sitzplätzen außer dem Fahrersitz, auch mit Hänger nicht über 7.500 kg
  • Klasse M - Kleinkrafträder und Fahrräder mit Hilfsmotor
  • Klasse T - Zugmaschinen mit einer Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 60 km/h
  • Klasse L - Zugmaschinen (Land- und Forstwirtschaft) mit einer Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 32 km/h bzw. nicht mehr als 25 km/h bei Kombination mit einem Anhänger
  • Klasse BE, CE, C1E, DE, D1E - Kraftfahrzeuge der Klassen B, C, C1, D oder D1 mit Anhänger über 750 kg, C1 und D1 nicht über 12.000 kg, D1 Anhänger nicht zur Personenbeförderung

Zuordnung der Fahrerlaubnisklassen zu Gruppen:

  • Gruppe 1 - Führer von Fahrzeugen der Klassen A, A1, B, BE, M, L und T
  • Gruppe 2 - Führer von Fahrzeugen der Klassen C, C1, CE, C1E, D, D1, DE, D1E sowie Fahrerlaubnis zur FahrgastbeförderungDiabetes Autofahren

Welchen Einfluss hat Diabetes mellitus auf die Fahrerlaubnis?

Diabetes mellitus ist eine häufige Erkrankung in Deutschland. Die Einschätzung der Risiken von möglichen Stoffwechseentgleisungen, körperlichen Einschränkungen ist für die Sicherheit im Straßenverkehr sinnvoll. Geeignete Richtlinien für die Beurteilung dabei sind sinnvoll. Für den Diabetiker sind folgende Fragen sinnvoll:

  • Hat der Diabetes Auswirkungen auf eine bereits bestehende Fahrerlaubnis?
  • Kann ich als Diabetiker meine Fahrerlaubnis behalten?

Grundsätzlich kann der Diabetiker seine Fahrerlaubnis behalten oder eine neu erwerben. Einschränkungen bestehen für eine Fahrerlaubnis der Gruppe 2 bei Diabetikern, die mit Insulin behandelt werden und bei vorübergehenden Situationen mit Stoffwechselproblemen. Im Einzelfall ist eine abweichende Beurteilung möglich. So ist die Fahrerlaubnis für die Gruppe 2 (LKW, Omnibusse, Fahrgastbeförderung) in begründeten Ausnahmefällen auch für mit Insulin behandelte Diabetiker möglich. Voraussetzung hierfür ist eine nachvollziehbare Begründung durch den ärztlichen Gutachter.

Was beinhaltet die verkehrsmedizinische Begutachtung?

Grundlage des Gutachtens sind die Blutzuckereinstellung und die Einschätzung und Beurteilung der vorliegenden Folgeerkrankungen. Darüber hinaus werden angefordert:

  • Diabetiker-Pass
  • Blutzucker-Tagebuch
  • Langzeitwert HbA1C

Zudem wird nach dem Vorkommen von Über- und Unterzuckerungen gefragt, Blutzuckerverlauf, Behandlung des Diabetes und nach dem Vorliegen vn Folgeerkrankungen.

Was schränkt die Fahrtauglichkeit ein?

Hier kommt es vor allem durch Stoffwechseleintgleisungen und durch eine labile Stoffwechsellage zu einer Beeinträchtigung. Besonders gefährlich sind Hypoglykämien / Unterzuckerungen am Steuer.

Hypoglykämie / Unterzuckerung

Die Symptome einer Hypoglykämie sind individuell sehr unterschiedlich. Jedoch liegt immer eine Beeinträchtigung von Wahrnehmung und Reaktionsvermögen vor. Es können auch emotionale Veränderungen wie Aggressivität sowie Bewußtseinseintrübungen vorkommen. Im allgemeinen kommt es zu Zittern, Schweißausbruch, Blässe, Sehstörungen oder Heißhungerattacken. In einigen Fällen wird die Hypoglykämie nicht mehr wahrgenommen, was bis zu Bewußtlosigkeit führen kann. In solchen Fällen besteht Fahruntauglichkeit. Dem kann jedoch durch entsprechende Therapiemaßnahmen und Schulungen (Hypoglykämie-Wahrnehmungstraining und BZ-Selbstkontrollen) entgegen gewirkt werden.

Hyperglykämie / Überzuckerung

Nach einer Stoffwechselentgleisung im Sinner einer Hyperglykämie besteht eine Einschränkung der Fahrtauglichkeit. Bei notwendig gewordener Therapieänderung ist die Fahrerlaubnis daher eingeschränkt bis über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten stabile Stoffwechselwerte vorliegen. Hier sind es neben den schwankenden Blutzuckerwerten auch die möglichen Sehstörungen, die zu einer Einschränkung der Fahrtauglichkeit führen.

Wie wirken sich Folgeerkrankungen und Bluthochdruck aus?

Diabetische Retinopathie

Hier sind regelmässige Sehtest erforderlich. Bei Gruppe 1 wird der Sehtest bestanden, wenn die zentrale Tagesschärfe beidseitig mindestens 0,7 ergibt, mit oder ohne Sehhilfe und wenn das Gesichtsfeld beidäugig mindestens 120° beträgt oder auf einem Auge normal ist. Bei Gruppe 2 sollte mindestens eine Tagessehschärfe von 0,8/0,5 bestehen. Das Gesichtsfeld sollte bis 70° nach links und rechts, vertikal mindestens 40° nach oben und unten umfassen. Doppeltsehen, Schielen, Rotblindheit und Rotschwäche mit einem Anomaliequotienten von unter 0,5 sind unzulässig für Fahrer von Omnibussen, Taxen, Kraftwagen zur Personenbeförderung.

Diabetische Neuropathie

Bei schwerer Einschränkung der Nierenfunktion mit erheblicher Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens wird keine Fahrerlaubnis erteilt. Bei regelmässiger Dialysebehandlung ist in der Regel eine Fahrerlaubnis Gruppe 1 möglich. Folgende Voraussetzungen sind jedoch notwendig: positive ärztliche Begutachtung mit Auflage einer ständigen ärztlichen Betreuung und Kontrolle sowie Nachbegutachtung im Jahresabstand. Für Gruppe 2 wird in der Regel keine Fahrerlaubnis erteilt. Ausnahmen sind bei ständiger Dialysebehandlung möglich für Fahrgastbeförderung in Taxen, Mietwagen, Krankenwagen und Kleinlastwagen bis 3,5 t im Nahverkehr. Erforderlich hierbei ist eine individuelle Begutachtung durch einen Nephrologen mit eingehender Begründung sowie jährliche Nachbegutachtungen.

Bluthochdruck

Bei diastolischen Werten über 130 mmHg wird generell keine Fahrerlaubnis mehr erteilt. Bei diastolischen Werten zwischen 100 und 130 mmHg ist eine Fahrerlaubnis Gruppe 1 im allgemeinen zulässig. Dann jedoch meist gekoppelt an regelmässige internistische Kontrollen sowie Nachbegutachtungen im Abstand von zwei Jahren. Eine Fahrerlaubnis der Gruppe 2 ist nicht möglich bei gleichzeitigen ernsten Symptomen einer Nierenfunktionsstörung, starken Augenhintergrundveränderungen, neurologischen Symptomen nach Hirndurchblutungsstörungen oder deutlicher Linksvergrößerung des Herzens.

Wann besteht Auskunftspflicht zum Gesundheitszustand?

Unzulässig sind Regelanfragen von der Straßenverkehrsbehörde bei Antragstellung auf Fahrerlaubnis. Gemäss Straßenverkehrsgesetzt (StVG) sowie Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) besteht keine Verpflichtung für den Antragsteller, über seinen Gesundheitszustand Auskunft zu erteilen. Dies gilt nicht bei Antrag auf Erteilung der Fahrerlaubnis der Gruppe 2 (LKW, Omnibus, Fahrgastbeförderung). Hier sind im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung Angaben zum Gesundheitszustand zu machen. Grundsätzlich besteht für Erkrankte, somit auch für Diabetiker, nach § 2 eine eingeschränkte Zulassung. Jeder Betroffene ist verpflchtet seine Fahrfähigkeit vor jeder Teilnahme am Straßenverkehr zu beurteilen. Somit besitzen Sie, einschließlich ihres behandelnden Arztes, eine Eigenverantwortlichkeit. Diese wird bei Bedarf durch spezielle Gruppenschulungen unterstützt. Sie werden im Turnus von zwei Jahren von den Krankenkassen finanziert.

Wann erfolgt eine anlassbezogene Fahreignungsprüfung?

Sie erfolgt bei "Bedenken aufgrund von Erkrankungen oder Mängeln" nach § 11, Abs. 2 der Fahrerlaubnisverordnung unter Hinzuziehung der Anlage 4. Sie wird von der Straßenverkehrsbehorde veranlasst, wenn sie von ihrer Diabeteserkrankung erfährt.

  • durch Sie selbst (z.B. unaufgeforderte Selbstmeldung bei Unfallgeschehen)
  • durch Meldung von Dritten
  • bei Auffälligkeiten im Straßenverkehr
  • bei Unfällen

Daraus ergeben sich Einschränkungen. Die Straßenverkehrsbehörde überprüft, inwieweit ihre Fahreignung beeinträchtigt ist. Dazu werden Sie schriftlich aufgefordert ein ärztliches Gutachten auf eigene Kosten und im Rahmen einer Frist vorzulegen. Die Auswahl des Gutachters bleibt Ihnen überlassen. Sie sind jedoch verpflichtet, einen verkehrsmedizinisch erfahrenen Facharzt mit entsprechender Weiterbildung zu beauftragen, idealerweise einen Diabetologen mit verkehrsmedizinischer Weiterbildung.

Ratschläge für Insulin-spritzende Kraftfahrer

  • Halten Sie im Fahrzeug rasch wirksame Kohlehydrate bereit, z.B. Traubenzucker, Apfelsaft, informieren Sie ihren Beifahrer, wo diese zu finden sind.
  • Kontrollieren Sie vor Fahrantritt den Blutzucker. Notieren Sie das Ergebniss am besten in einem Diabetiker-Tagebuch oder benutzen Sie ein auslesbares Blutzuckermessgerät.
  • Spritzen Sie vor Fahrantritt nie mehr als die übliche Menge Insulin
  • Essen Sie vor der Fahrt nie weniger als die übliche Menge Kohlehydrate
  • Ändern Sie die gewohnte Verteilung von Mahlzeiten und Injektionen nicht vor der Fahrt
  • Führen Sie stets Ihr Blutzuckermessgerät und Teststreifen im Fahrzeug mit. Denken Sie an die Temperatur!
  • Bei beginnender Hypoglykämie sind sie fahruntauglich!
  • Bei Verdacht auf Hypoglykämie während der Fahrt sofort anhalten, schnell wirksame Kohlehydrate zuführen und warten bis die Hypoglykämie überwunden ist.
  • Empfohlen wird etwas mehr als üblich Kohlehydrate zuzuführen.
  • Bei längeren Fahrten alle zwei Stunden eine Pause einlegen und zusätzlich Kohlehydrate essen.
  • Lange Nachtfahrten möglichst vermeiden
  • Fahrgeschwindigkeit möglichst begrenzen.
  • Trinken Sie keinesfalls Alkohol vor oder während der Fahrt. Alkohol senkt den Blutzuckerspiegel in einer nicht vorhersehbaren Weise.
  • Regelmäßige ärztliche Verlaufskontrollen, Untersuchungen der Sehkraft sind unbedingt erforderlich.

Hinweise für den Beifahrer bei Zwischenfällen

Ratschläge des ADAC an den Beifahrer bei Bewusstlosigkeit des Fahrers bei Herzinfarkt, Schlaganfall. Diese sind auch im Internet aufgelistet, hier sind sie zusammen gestellt:

  • Bewahren Sie Ruhe
  • Greifen Sie in die Lenkung und versuchen Sie das Fahrzeug auf der Fahrbahn zu halten
  • Schlagen Sie den Gang heraus, bei Automatik auf "N" schalten und schalten Sie die Zündung ab, jedoch ohne den Schlüssel herauszuziehen.
  • Ziehen Sie vorsichtig die Handbremse und halten Sie den Arretierungsknopf gedrückt. Geduld, es dauert lange bis das Fahrzeug so zum Stehen kommt.
  • Nehmen Sie lieber einen Überschlag in eine Böschung oder eine Wiese in Kauf als einen Frontalzusammenstoß.

(Quelle: AUTOFAHREN BEI DIABETES-Das neue Fahrerlaubnisrecht-ein kleiner Ratgeber von Ruth Langner, Hrsg. Berlin-Chemie MENARINI)